Schädliche Zentralisierung
Von Patrick Freudiger, Stadtrat Langenthal, Vizepräsident Junge SVP
Der Kanton Bern besteht aus rund 400 sehr unterschiedlichen Gemeinden.
Was im 650-Seelendorf Bannwil gut ist, muss in der Bundeshauptstadt Bern nicht
zwingend auch gut sein. Aufgrund der Verschiedenheit der Gemeinden kommt der
Gemeindeautonomie eine grosse Bedeutung zu und ein gesunder Wettbewerb unter
den Gemeinden dämpft den Anstieg der Staatsquote. Diese bewährte, erfolgreiche
Tradition der Gemeindeautonomie wird in letzter Zeit aber immer mehr
untergraben. Insbesondere die Zentralisierungs- und Harmonisierungsbestrebungen
des Kantons Bern sind Gift für die Gemeindeautonomie.
Lastenausgleich: Gemeinden mit tiefen Steuern, die gute
Steuerzahler anlocken, finanzieren in einem Umverteilungsverfahren weniger
ertragreichere Gemeinden. Dies hemmt den Anreiz für Gemeinden, ihre Bürger
nicht mit hohen Steuern zu belästigen.
Gemeindefusionen: Der Kanton Bern fördert Gemeindefusionen: Über
20 Fusionsprojekte sind am Laufen. Der Kanton kapituliert vor der viel bemühten,
mangelnden Bereitschaft zu ehrenamtlicher Arbeit und den Selbsterhaltungsproblemen
in kleinen Gemeinden; ja er fördert diesen Missstand sogar noch grosszügig.
Wenn z.B. zwei 1000-Einwohnergemeinden fusionieren, würde die neue Gemeinde
800´000 Franken erhalten, ohne die Beiträge zur Fusionsabklärung.
Einbürgerungen: Am 25. September wurden die Gemeinden ein
weiteres Mal entmündigt. Neu darf nur noch der Gemeinderat über Einbürgerungen
befinden. Nicht mehr die Gemeinde selbst darf entscheiden, welches Organ für
die Erteilung des Schweizer Passes zuständig ist.
Wahlkreisreform: Noch vor nicht allzu langer Zeit bestand der
Kanton Bern aus 27 Wahlkreisen, heute sind es noch 8. Bevölkerungsreiche
Gemeinden erhalten mehr Gewicht, zu Lasten der kleinen, ländlichen Dörfer.
Bezirksreform: Auch die heute 27 Ämter sollen auf 5
Verwaltungsregionen bzw. 10 Verwaltungskreise verkleinert werden. Die
Bürgernähe der Verwaltung würde abnehmen und die heute hocheffizienten Regierungsstatthalterämter
würden durch diffuse Bürokratien ersetzt.
Die SVP macht sich konsequent für den Erhalt der Gemeindeautonomie
stark, wird im Parlament aber laufend von einer Mehrheit aus SP und FDP
überstimmt.
Im nächsten April wählen die Berner Stimmbürger ein neues
Kantonsparlament und eine neue Kantonsregierung: Eine Chance, mehr Volksvertreter
zu wählen, die sich klar für die Gemeindeautonomie einsetzen. Die SVP ist
bereit, diese Aufgabe zu übernehmen. Im Interesse unseres Kantons Bern.